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Zeigt her Eure Ohren: Take home messages aus dem Otoskopiekurs

Pünktlich zu Ostern: Ein Hasenohren Blog

Hochmotiviert durfte ich heute einen Otoskopiekurs von Dr. med. Castiglioni besuchen mit dem Zweck, dass nun Otoskopie auch in der Mistel Apotheke angeboten wird. Neu und das Wichtigste waren die "5 S"-Fragen, die bei Ohrproblemen immer erfragt werden sollen:

 

1. Schwerhörigkeit

2. Schmerzen

3. Sekretfluss (seröse, eitrig, stinkend)

4. Sausen (Ohrgeräusche, Tinnitus) 

5. Schwindel (gerichteter Drehschwindel wie auf einem Karussel)

  

Hurra! Ich kann jetzt otoskopieren und Übung macht den Meister.

 

Daher seid Ihr alle herzlich eingeladen, in der Apotheke vorbeizukommen, damit ich einen Blick auf euer Ohr werfen kann.

 

Wir haben uns als KursteilnehmerInnen gegenseitig otoskopiert. Zuerst wird immer das gesunde Ohr angeschaut, und zwar auch die Ohrmuschel und hinter dem Ohr, um einen Vergleich mit dem kranken Ohr zu haben. Beim Otoskopieren hat der Trichter  des Otoskops bei viel Ohrenschmalz auch schon mal wie ein Pflug den Schmalz beiseite geschoben. Ein Trommelfell sah aus wie ein ausgetrockneter afrikanischer Boden, mit Rissen, nur grau. Das komme vom Ohrenschmalz nach hinten schieben mit dem Wattestäbchen, meinte die Ärztin. Es gibt perfekte Ohren, bei denen das Trommelfell und seine Quadranten leicht erkannt werden und etwas schwierigere Gehörgänge, wo ich vermutlich noch etwas Übung brauche. Sobald sich eine Ablagerung im Gehörgang befindet, können wir in der Apotheke den Patienten nur zum Arzt weiterschicken, ausser es handelt sich um einen kleineren Pfropf, der ausser einer eventuellen Hörminderung (aber nur, wenn der Gang ganz zu ist), keine Beschwerden verursacht.  Eine Entfernung von Schmalz , eingetrocknetem Sekret oder einem Pilzteppich liegt nicht in meiner Hand. Ich denke, ich würde jedoch eine Pilzinfektion des äusseren Gehörgangs, eine bakterielle Mittelohrentzündung, eine virale Mittelohrentzündung, und einen Pfropf erkennen. Neben der Anamnese der "5 S" und der praktischen Erfahrung aus der Apotheke bisher bietet die Otoskopie wertvolle Hinweise zur weiteren Triage.

Die Ohrmuschel und der äussere Gehörgang

 

Auf keinen Fall sollte man Wattestäbchen  benutzen, um die Ohren zu reinigen, weil man so hauptsächlich Ohrenschmalz tiefer in den äusseren Gehörgang schiebt, was dann zu einer Pfropfbildung führen kann. Die Bilder solcher Ohrpfröpfe waren nicht besonders appetitlich und erinnnerten mich mich stark an Haarballen, die unsere Katze von von Zeit zu Zeit herausgewürgt hat: bräunlichgraue mit Haaren und Fuseln vermischte Klumpen. Katzenbesitzer wissen Bescheid. Zum Trockenen der Ohren nach dem Duschen benütze man ein Kleenex, mit dem man aus einer Ecke eine Art Docht formt, der weich ist,  aber trotzdem genügend tief in den Gehörgang eingeführt werden kann, dass Wasser aufgesaugt werden kann.

Gewisse Erkrankungen der äusseren Gehörgangs können relativ leicht auch mit MItteln aus der Apotheke behandelt werden, andere erfordern den Gang zum Arzt, wie zum Beispiel starke Entzündungen nach Ohrpiercings im Knorpelgewebe (ganzes Ohr ausser Ohrläppchen), Erysipel (Rötung und Schwellung der geamten Ohrmuschel) und Ohrläsionen, die nach 2 Wochen nicht von selbst abgeheilt sind. Ein Satz, den Frau Dr. Castiglioni in unterschiedlichem Zusammenhang mehrfach erwähnt hatte, war: Bis zum Beweis des Gegenteils.... , was in amüsanter Weise an einen Gerichtssaal erinnerte. Also nicht in dubio pro reo bei Ohrenkrankheiten.  Im Falle einer innerhalb von zwei Wochen nicht abheilenden Läsion am Ohr, ist bis zum Beweis des Gegenteils anzunehmen, dass es sich um ein Karzinom handelt, was etwas schockierend klingt. Es sei jedoch erwähnt, dass es auch gutartige Hauttumore der Ohrmuschel gibt.

 

      

 

Leider können auch Fremdkörper, die sich vor allem KInder ins Ohr schieben, oder gar Insekten den äusseren Gehörgang peinigen. Bei Kindern hat man genau einen Versuch, um den Gegenstand aus dem Ohr zu entfernen. Andernfalls muss der Gegenstand unter Vollnarkose entfernt werden. Das werde ich selber also ziemlich sicher nicht machen. Gerät ein kleines Insekt tief genug in den Gehörgang, um mit seinen Flügeln ans Trommelfell zu schlagen, soll das einem Horrotrip auf Drogen nicht unähnlich sein.

 

Ein anderes schaurig schönes Bild kann sich bei  einer Pilzinfektion im äusseren Gehörgang zeigen, die sich meistens als starker Juckreiz äussert. Es besteht absolut eine Ähnlichkeit zu schimmelnder Konfitüre, wobei Pilze neben schwarz und weiss auch andere Farben produzieren können. Ein Gemälde aus verschiedenfarbigen Pilzrasen kann dann durch das Otoskop erspäht werden. Der Pilzteppich muss vor der Behandlung mit einem Antimykotikum zuerst durch den HNO Arzt abgeschabt werden.

 

Bei Entzündungen das äusseren Gehörgangs schmerzt das Ohr, wenn man der Ohrmuschel zieht oder auf den Tragus drückt.  Was für mich neu war, ist, dass der HNO Arzt eitrige Ablagerungen auch zuerst entfernt, bevor, bevor das Ohr dann entsprechend behandelt wird.

 

Ebenfalls  erstmals gehört habe ich heute vom "surfers ear". Es handelt sich um eine sichtbare Schwellung/Verdickung des äusseren Gehörgangs durch Knochenvorsprünge unter der Gehörgangshaut.   Das "surfers ear" ist keine entzündliche Erkrankung und verursacht auch keine Beschwerden, weshalb sie nur zufällig entdeckt wird. In extremen Fällen und zum Glück selten müssen die Knochenvorsprünge wegen der Deformation ausgebohrt werden. 

 

 

Ohrenpflege

 

Das Ohr kann bei Neigung zu Ekzemen oder Ohrpfröpfen mit folgenden Produkten gefpflegt werden:

 

Bei Pfropfen: 1 mal pro Woche Cerumenol  oder täglich Audispray

Bei Ekzemen: Mandelöl oder Linola fett Salbe

 

Das Mittelohr: Trommelfellverletzung, Tubenkatarrh und MIttelohrentzündung

 

Die Trommelfellverletzung

 

Das Trommelfell ist wie ein Zirkuszelt über den Hammerknochen aufgespannt und im gesunden Zustand leicht durchsichtig und elastisch.

 

Eine Verletzung des Trommelfells (ein Loch) kann selbstverursacht durch den Gebrauch ein Wattestäbchens, durch Fremdeinwirkung wie eine Ohrfeige , durch einen Sprung ins Wasser mit Aufprall aufs Ohr oder  durch eine Mittelohrentzündung, bei der Eiter im Mittelohr die Elastizität des Trommelfells sprengt, entstehen. Neben  "4S" (Schmerzen, Schwerhörigkeit, Sausen, Sekret) kann auch ein Durchblasegeräusch beim Valsalva-Manöver festgestellt werden.  Das Valsalva-Manöver haben wir alle schon angewandt ohne seinen Namen zu kennen, nämlich zum Druckausgleich beim Fliegen oder Seilbahnfahren. Dabei  wird die Nase zugehalten und der Mund zusammengekniffen, um durch Anspannung der Atemmuskulatur Druck aufzubauen. Hat  das Trommelfell ein Loch, hört der Untersuchende ein Durchblasegeräusch beim Valsalva-Manöver, wenn er sein Ohr direkt ans perforierte Ohr des Patienten hält.  Die gute Nachricht ist, dass praktisch alle Perforationen abheilen. Bei einem Loch im Trommelfell ist jedoch Vorsicht geboten mit Ohrentropfen, die Wirkstoffe enthalten, die auf das Innenohr toxisch wirken. Deswegen sind, liebe Kundinnen und Kunden der Apotheke, Panotile Ohrentropfen streng rezeptpflichtig, und die Angestellten der Apotheke nicht böse Menschen, die ihr Problem nicht verstehen, wenn wir die Abgabe verweigern.  Ebenfalls muss ein 100%iger Wasserschutz für 3 Wochen bis zur vollständigen Heilung gewährleistet sein. Das heisst, man duscht vom Hals an abwärts und lässt sich die Haare waschen, indem man die Ohren mit leeren Joghurtbechern abdeckt.

Ist das Loch im Trommelfell durch einen Unfall entstanden (mechanische Einwirkung, häusliche Gewalt), fordert die SUVA einen Hörtest vom Arzt. Bei einer gleichzeitigen Kontamination/Infektion muss zusätzlich durch den HNO Arzt eine antibiotische Therapie.

 

 

Der Tubenkatarrh

 

Den Tubenkatarrh kann man sich folgendermassen vorstellen:  Die Verbindung zwischen Nase und Ohr mittels eustachscher Röhre ist von Schleim verstopft und der ansonsten mit Luft gefüllte Raum hinter dem Trommelfell enthält stattdessen ein  Sekret. Da das Trommelfell idealerweise leicht durchsichtig ist, kann man mittels Otoskopie unter Umständen einen Flüssigkeitspegel hinter dem Trommelfell sehen. Ist dies der Fall, so kann unter dem Valsalva-Manöver der Champagnerglas-Effekt beobachtet werden: Luftblasen, die sich im Sekret bilden. Na dann Prost!

 

Der Schleim in der eustachschen Röhre kann sich aber so verdicken, dass er chirurgisch durch einen Schnitt ins Trommelfell entfernt werden muss. Die Konsistenz der Schleims soll dann kaugummiartig sein.

 

Bei einem Tubenkatarrh, also einer Erkältung, die auf die Ohren schlägt, ensteht ein Völle- und oder Druckgefühl, das ein- oder beidseitig sein kann.  Das Trommelfell kann durch Unterdruck auch eingezogen sein, das Zirkuszelt zieht sich also zusammen und der Hammerknochen steht deutlicher hervor. Die Therapie besteht in Gabe von abschwellenden Nasentropfen für 5-7 Tage oder cortisonhaltigen Nasensprays. Bei Schmerzen oder zum Abschwellen können auch entzündungshemmende Schmerzmittel eingenommen werden. Schleimlösende Mittel und Nasenspülungen seien umstritten, was dem Kursinhalt einer anderen Ausbildung, die ich vor ein paar Jahren besucht habe, widerspricht. Dort hiess es: Spülen, spülen, spülen und wenn  ein Klacken im Ohr gehört wird, sei das Anzeichen einer Besserung, weil das den Schleim löse. 

 

Bei Kindern, die aufgrund der waagrechteren Lage und der Kürze der eustachschen Röhre zu chronischem Mittelohrkatarrh neigen, kann die chirurgische Einlage eines Paukenröhrchens vorgenommen werden.

 

 

 

 

Die Mittelohrentzündung

 

Aufgrund ihrer Anatomie (horizontale und kürzere eustachscheRöhre) neigen kleine Kinder eher zu Mittelohrentzündungen.

Bei einem akuten bakteriellen Infekt wölbt sich das Trommelfell wie ein Donut auf, sieht aus wie ein Stück Fleisch,  und kann so leicht von einem grippalen Virusinfekt des Mittelohrs  oder einem gesunden Trommelfell unterschieden werden. Falls das Trommelfell bei einer bakteriellen Mittelohrentzündung aufgrund des Drucks reisst, fliesst der Eiter in den äusseren Gehörgang. Bei der grippalen Trommelfellinfektion zeigt sich ein hochrotes Trommelfell,  ein blutig-seröses Sekret oder Blutbasen auf dem Trommelfell. Wichtig ist: Das Sekret darf nicht stinken. 

 

Bei Kindern unter 5 Jahren ist die Otoskopie schwierig. Falls das Kind trotzdem einigermassen munter ist, kann mit Ibuprofensirup und abschwellenden Nasentropfen behandelt werden. Verschlechtert sich sein Zustand und isst/trinkt es nicht, sollte es am gleichen Tag noch zum Arzt.

 

 

 

Stinkendes Sekret: Bis zum Beweis des Gegenteils...

 

Sollte das Ohrsekret stinken wie Käsefüsse, ist äusserste Vorsicht geboten.  Bis zum Beweis des Gegenteils muss angenommen werden, es handle sich um eine Otitis media cholesteatomatosa mit randständiger Perforation. Unbehandelt kann sich die Krankheit durch die Mittelohrknochen bis ins Innenohr/Gehirn ausbreiten/durchfressen.

 

Ebenfalls sofort zum Arzt soll der Patient, der zusätzlich einen Drehschwindel (Karussel) hat, weil das auf eine Ausdehnung des Infekts aufs Innenohr deutet. Es besteht die Gefahr, dass sich sonst ein irreversibler Drehschwindel entwickelt.

Das  Innenohr

 

Das Innenohr wurde nur am Rande gestreift. Die Symptome des Innenohrs zeigen sich in einer Hörminderung und/oder einer Funktionsstörung des Gleichgewichtsorgans. Anscheinend soll der Lagerungsschwindel ( Steinchen im Innenohr) durch geeignete Manöver sehr leicht zu behandeln sein. Der Ausfall des Innenohrs wird als karusselartiger Schwindel empfunden und führt auch zu Übelkeit/Erbrechen.  Mann kann theoretisch auch gleichzeitig einen karusselartigen und einen Lagerungsschwindel haben, was jedoch selten ist. Ist nur das Innenohr betroffen, sieht man mit dem Otoskop "nichts", also einen normalen Gehörgang und ein normales Trommelfell.

Zu guter Letzt: Notfallsituationen am Ohr

 

Blutungen aus dem Gehörgang (ja, wie in den Krimis)

Ohrüberschreitende Ohrenentzündungen (Lymphknotenschwellung, Rötung des Mastoids=Fortsatz direkt hinter dem Ohrläppchen)

Akute Funktionsstörung des Ohrs mit Hörminderung, Schwindel und Tinnitus